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Grundlagen Ursprung

Wie deine Verdauung wirklich funktioniert

Der Weg der Nahrung von Mund bis Darm, verständlich erklärt. Wenn du diese Kette einmal verstehst, kannst du eigene Beschwerden besser einordnen.

Frische Zutaten, der Weg der Nahrung durch den Körper

Wir denken bei Verdauung oft nur an zwei Momente: Essen kommt rein, irgendwann kommt der Rest wieder raus. Dazwischen liegt aber eine der erstaunlichsten Leistungen deines Körpers. Vom ersten Bissen bis zum Ende sind viele Stationen beteiligt, und jede hat eine klare Aufgabe. Wenn du diesen Weg einmal verstanden hast, verstehst du auch, warum die Verdauung manchmal hakt und an welchen Stellen du etwas für dich tun kannst.

Es beginnt schon vor dem ersten Bissen

Sobald du etwas Leckeres riechst oder siehst, bereitet sich dein Körper vor. Im Mund zerkleinern die Zähne die Nahrung, und der Speichel mischt sich darunter. Im Speichel steckt bereits ein erstes Verdauungsenzym, die sogenannte Speichel-Amylase. Sie beginnt schon hier, Kohlenhydrate aufzuspalten. Deshalb schmeckt ein Stück Brot süßlich, wenn du lange darauf kaust. Gründliches Kauen ist also kein alter Ratschlag ohne Grund, es ist der erste echte Schritt der Verdauung.

Der Magen: Säure mit System

Über die Speiseröhre rutscht der Bissen in den Magen. Hier wird es sauer, und das mit Absicht. Die Magensäure tötet einen Großteil der Keime ab, die mit der Nahrung hereinkommen, und schafft die Umgebung für das Enzym Pepsin. Pepsin beginnt, Eiweiße zu zerlegen. Damit sich der Magen dabei nicht selbst verdaut, bilden spezielle Zellen eine schützende Schleimschicht auf der Magenwand.

Der Magen kann noch mehr: Bestimmte Zellen bilden den sogenannten Intrinsic Factor, einen Stoff, den dein Körper später im Dünndarm braucht, um Vitamin B12 aufzunehmen. Das ist ein schönes Beispiel dafür, wie eng die Stationen zusammenarbeiten. Was im Magen passiert, entscheidet mit, was am Ende bei dir ankommt. Der Magen gibt den Nahrungsbrei dann nicht auf einmal weiter, sondern portionsweise durch den Pförtner in den Dünndarm.

Der Dünndarm: die eigentliche Werkstatt

Hier findet der größte Teil der Arbeit statt. Der Nahrungsbrei ist beim Eintritt noch sauer aus dem Magen. Deshalb schickt die Bauchspeicheldrüse ein basisches Sekret dazu, das die Säure neutralisiert, und liefert gleich die wichtigsten Verdauungsenzyme mit: für Eiweiße, für Fette und für Kohlenhydrate.

Für die Fette kommt die Galle ins Spiel. Sie wird in der Leber gebildet, in der Gallenblase gespeichert und dort stark eingedickt. Bei einer fettigen Mahlzeit wird sie in den Darm abgegeben und zerteilt die Fette in feine Tröpfchen, damit die Enzyme überhaupt an sie herankommen. Man nennt das emulgieren, im Prinzip dasselbe, was Spülmittel mit Fett auf einem Teller macht.

Und jetzt kommt der Teil, der dich staunen lässt: Die Innenwand des Dünndarms ist kein glattes Rohr. Sie liegt in Falten, darauf sitzen unzählige kleine Ausstülpungen, die Zotten, und auf jeder Zotte noch einmal winzige Mikrozotten. Dadurch wird die Fläche, über die dein Körper Nährstoffe aufnehmen kann, enorm vergrößert. Lange stand in den Büchern, sie sei so groß wie ein Tennisplatz. Neuere, genauere Messungen zeigen eher 30 bis 40 Quadratmeter, also ungefähr ein halber Badmintonplatz. Trotzdem beeindruckend, wenn man bedenkt, dass das alles zusammengefaltet in deinem Bauch Platz findet.

Und jetzt ein Detail, das kaum jemand kennt: Deine Nährstoffe nehmen von hier aus nicht alle denselben Weg. Zucker und Eiweißbausteine gehen über kleine Blutgefäße direkt zur Leber, die alles sortiert und weiterverteilt. Die Fette dagegen nehmen einen Umweg. Sie werden über feine Lymphbahnen in den Darmzotten abtransportiert und erst ein ganzes Stück später ins Blut eingeschleust. Dein Verdauungssystem hat also zwei getrennte Transportwege, je nachdem, was gerade aufzunehmen ist.

Der Dickdarm: Wasser sparen und Mitbewohner füttern

Was im Dünndarm nicht aufgenommen wurde, wandert weiter in den Dickdarm. Seine Hauptaufgabe klingt unspektakulär, ist aber wichtig: Er holt das meiste Wasser zurück und dickt den Rest ein. Hier leben auch die allermeisten deiner Darmbakterien. Sie zerlegen Reste, die dein Körper selbst nicht knacken kann, und bilden dabei Stoffe, von denen deine Darmschleimhaut lebt. Dieses Zusammenspiel aus dir und deinen Mikroben ist ein eigenes großes Thema, dem wir hier in der Wissensecke noch eigene Beiträge widmen.

Warum dich das im Alltag betrifft

Der Sinn dieses Rundgangs ist nicht, dass du dir Enzymnamen merkst. Der Sinn ist: Verdauung ist eine Kette, und jedes Glied kann mal haken. Zu hastig gegessen und kaum gekaut? Der erste Schritt fällt teilweise aus. Wenig Magensäure? Eiweiße werden schlechter aufgeschlossen. Probleme mit Galle oder Bauchspeicheldrüse? Fette machen Beschwerden. Ein aus dem Gleichgewicht geratener Dickdarm? Das spürst du oft als Erstes. Wenn du weißt, welche Station was tut, kannst du Beschwerden besser einordnen, statt dich nur zu wundern.

Verdauung ist kein einzelner Vorgang, sondern ein fein abgestimmtes Team aus vielen Stationen. Wer den Weg der Nahrung versteht, versteht auch die eigenen Beschwerden besser.
Und jetzt du?

Vom Verstehen zum Handeln

Du hast gerade die Grundlage gelegt. So kannst du weitergehen, ganz in deinem Tempo:

  1. 1Verstehen hast du gerade getan.
  2. 2Einschätzen: Mach den kostenlosen Schnell-Check und bekomm ein erstes Gefühl, wo du stehst.
  3. 3Klarheit für dich: Der persönliche Anamnesebogen schaut auf deine ganz eigene Situation.
  4. 4Umsetzen: Passende Naturkraft-Favoriten und sinnvolle Diagnostik, wenn sie zu dir passen.

Zum Weiterlesen

  • Helander HF, Fändriks L: Surface area of the digestive tract, revisited. Scandinavian Journal of Gastroenterology, 2014.

Dieser Beitrag dient der allgemeinen, gesundheitsbildenden Information. Er ersetzt keine individuelle Beratung, Diagnose oder Therapie und ist keine Aufforderung zur Selbstmedikation. Bei gesundheitlichen Beschwerden wende dich bitte an eine Ärztin, einen Arzt oder eine qualifizierte Fachperson.

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